Vorab eine WARNUNG:
Für Personen mit beträchtlichen Sichtunterschieden zwischen beiden Augen ist es schwierig oder unmöglich , den 3D-Effekt wahrzunehmen.
Sollten sich beim Betrachten der 3D-Bilder Müdigkeit oder Unbehagen einstellen, ist der Gebrauch/die Betrachtung unverzüglich zu beenden. Ohnehin wird für die Betrachtung von 3D-Bildern eine zehnminütige Pause ungefähr einmal jede halbe Stunde empfohlen.
Personen mit einer Krankengeschichte von lichtempfindlicher Epilepsie oder Herzerkrankungen oder Personen, die unter Unwohlsein, Müdigkeit, Schlaflosigkeit oder unter dem Einfluss von Alkohol leiden, sollten vom Betrachten von 3D-Bildern Abstand nehmen.
Befindet sich der Betrachter von 3D-Bildern selbst in Bewegung, kann möglicherweise Müdigkeit oder Unbehagen verursacht werden.
Um widrige Effekte beim Betrachten auf HDMI Geräten zu vermeiden, sollten die Bilder aus einem Abstand, der mindestens der doppelten Breite des Bildschirms gleichkommt, betrachtet werden, wobei der Bildschirm nicht größer als 65 Zoll sein sollte.
Für Bildschirme, die größer als 65 Zoll sind, wird generell nur die Betrachtung von 2D-Bildern empfohlen.
Betrachtungstechniken an handelsüblichen Bildschirmgeräten
Es gibt verschiedene „Techniken“, 3D-Fotografien auf einem planaren Bildwiedergabe-Medium wie z. B. einen handelsüblichen Standard-Monitor anzusehen.
Am weitesten verbreitet ist das
Anaglyphenbild
bei dem aber eine entsprechende Brille erforderlich und bei der Betrachtung durch die Farbfilter keine wirklichkeitsgetreue Farbwiedergabe möglich ist.

Der Betrachtungsgenuß wird dadurch etwas eingeschränkt, wenn im Farbbild-Bildmotiv ein hoher Rottonanteil ist. Dem kann man zwar bei der Entwicklung des Bildes entgegenwirken und störende Farbanteile herausfiltern. Das widerum führt dann aber wegen fehlender Farbinformationen zu einer nicht wirklichkeitsgetreuen Darstellung des Motivs.
Diese Einschränkung ist bei Monchrom-Anaglyphen (also bei Bildern, in denen keine ursächlichen Farbinformationen erscheinen) nicht vorhanden.
Der Stereo-Fotograf sollte das Motiv bereits vor der Aufnahme möglichst so auswählen und die damit einhergehenden Aufnahmeparameter (Stereo-Basis, Nahpunkt, Fernpunkt) berücksichtigen, so dass eine spätere und ohnehin schon vergleichsweise aufwändige Nachbearbeitung in dieser Richtung möglichst geringer gehalten werden kann.
Bei Anaglyphenbildern empfiehlt es sich deshalb mehrheitlich, die vorzugsweise in Graustufen zu zeigen, um unerwünschte und nur selten bis gar nicht in der Nach- und Aufbereitung einfach zu korrigierenden Geisterartefakte im Bild auszuschließen.
Mit dem
Kreuzblick
oder Interlaced kann man 3D-Fotos hingegen absolut farbtreu anzeigen lassen. Quasi so wie die beiden Original-Einzelfotos, aber dann mit der verblüffenden plastisch wirkenden Tiefe. Aus meiner persönlichen Sicht ist die Kreuzblicktechnik bei künstlerisch wertvoll gestateten Bildmotiven, wo auch der uneingeschränkte Farbumfang eine bedeutende Rolle spielt, der Anaglyphenbildtechnik vorzuziehen.
Meine Meinung untermauer ich mit den im Internetz kursierenden und zumeist in höchstem Maße überzeugenden Fotografien anderer versierter Stereobild-Fotografen.
Die Kreuzblicktechnik funktioniert bei einigen Benutzern erfahrungsgemäß nicht auf Anhieb, ist aber mit etwas Geduld und Übung zu erlernen, ohne Angst vor einer bleibenden Augenfehlstellung haben zu müssen.
Bei der Anwendung des Kreuzblicks ist der Betrachtungsabstand von entscheidender Bedeutung. Dazu unten mehr …
Lernhilfe für den Kreuzblick
Der Kreuzblick hat seinen Namen von der bestimmten Blicktechnik, die nach landläufiger Meinung wie Schielen funktioniert, aber faktisch nicht mit dem Schielen zu vergleichen ist. Es wird beim Kreuzblick lediglich zielführend die natürliche Augenstellung genutzt, die man auch beim Lesen eines Buches anwendet.

Dabei überkreuzen sich die im Nahbereich erforderlichen Blickfelder vom rechten und linken Auge vor dem Betrachtungsmedium (im Normalfall z. B. ein mit Buchstaben bedrucktes Blatt Papier), sodass der von den Augen wahrgenommene Bildinhalt vom Gehirn deckungsgleich als ein Bild verarbeitet wird.
Dass die Augen durch ihren Abstand zueinander ein jeweils anderes perspektivisch augerichtetes Bild ans Hirn liefern, kann man beweisen, wenn man jeweils ein Auge abdeckt.
Kreuzblick – Schritt für Schritt
Bevor man (zumeist anfangs hoffnungslos) versucht, die visuelle Tiefe von Stereofotografien mit dem Kreuzblick zu erfassen, kann man erst mal mit einer einfachen „Trockenübung“ anfangen.
Vorbereitung
Dazu nimmt man ein Stück Papier, eine große Geldmünze und einen schwarzen Filzstift (o. ä. homogenen Schreibstift).
Die Münze wird aufs Papier gelegt und mit dem Stift komplett umrandet. Dann wird die Münze seitlich ein kleines Stück umgesetzt und nochmals umrandet. Man erhält auf dem Papier also zwei nebeneinander liegende und eindeutig gleichgroße Kreise.
Positionierung

Dann hält man das Papier in normalem Lesabstand in Augenhöhe vor sich.
Blick fixieren
Der Blick wird auf einen Punkt zwischen den beiden Kreisen gerichtet. Das kann man üben, indem man den Zeigefinger zwischen den Augen von der Nase aus langsam auf das Bild zubewegt und den Blick auf den Finger fokussiert. Gleichzeitig ist die visuelle Aufmerksamkeit auf die beiden Kreise im Hintergrund zu lenken und sie zu beobachten. Halte die Bewegung des Fingers an der Stelle still, an der zu bemerken ist, dass sich die Bilder im Hintergrund überlagern.
Augen ausrichten
Als nächstes kann man ohne den Finger versuchen, die Augen so auszurichten, dass sich die beiden Bilder überlappen. Das ist eine schwierigere Übung (aber für die Augen nicht ungewohnt und schon gar nicht schädlich). Man sollte nur versuchen, die Augen währenddessen zu entspannen. Wenn die Augen richtig ausgerichtet sind, verschmelzen die beiden identischen Kreise zu einem einzigen Kreis.
Fokussieren
Konzentriere dich darauf, das entstandene Bild in der Mitte scharfzustellen. Dafür musst du deine Augen ein wenig anpassen. Dieser Schritt erfordert anfangs einiger regelmäßiger Wiederholungen.
Warnung
Der künstlich erzeugte Kreuzblick kann auch Kopfschmerzen und Schwindel auslösen! Übe deshalb den Kreuzblick nicht zu krampfhaft oder lange am Stück, besonders in der Anfangsphase. Wenn das Fokussieren oder die korrekte Übereinanderlagerung des Stereo-Bilds in einem Durchgang nicht gelingen will, dann mach ein paar Sekunden Pause und entspanne deine Augen kurz.
Hinweis zu bildgebenden Geräten
Betrachtungsabstand
Kleine Monitore (z. B. bei Smartphones) bedürfen aufgrund der technisch bedingten geringen Bildgröße ohnehin nur eines geringeren Abstands und sind für qualitativ hochwertige und detailreiche Fotografien insgesamt ungeeignet, weil lediglich ein Motiv, nicht aber dessen Feinheiten angezeigt werden können. Für die klassischen und inflationär das Internetz flutenden und damit nur sehr kurzlebigen Händiefotoschnipselthemen wie Katzenbilder und unappetitliche Esstischgedecke reicht ’n Smartphone-Display natürlich aus, um die Mehrzahl der zumeist anspruchslosen Konsumenten mit der damit einhergehenden und noch anspruchsloseren Reizüberflutung zufrieden zu stellen..
Bei den meisten PC-Anwendern sind normal große Monitore (ab 19 Zoll Bildschirmdiagonale) vorhanden, sollten dann aber möglichst nicht im gewohnten Nahbereich betrachtet werden, bedürfen also eines etwas größeren Betrachungsabstands, haben aber dadurch immer noch den unschätzbaren Vorteil, auch die qualitativ aufwertenden Details eines Bildmotivs visuell erfassen zu können.
Nicht umsonst ist ’n Kino und dessen Großbildleinwand immer noch die erste Wahl für eine wirklich imposante Präsentation monumentaler Bildthemen.
Mit einer eigens für Stereo-Bilder optimierten
Fotogalerie
die im Internetz alle anerkannten Wege der herkömmlichen Betrachtung wiedergibt, soll eine hohe Reichweite gewährleistet sein.
Soweit will ich nicht gehen, weil die Aufbereitung derartig unterschiedlicher Bildquellen zu aufwändig ist, und ich mangels der dafür erforderlichen Hardware (z. B. 3-D fähige Monitore) NICHT alle gängigen Betrachtungstechniken in der Stereoskopie für mich erschließen kann.
Auf dieser Präsenz habe ich der Einfachheit halber deshalb jeweils für die entsprechende Bildquelle nur eine standardisierte Betrachtungslösung mit einer herkömmlichen Lightbox gewählt und die jeweils für den Betrachtungstyp erforderlichen Bildquellen darin untergebracht.
- Stereo-Bild (side-by-side) für den Kreuzblick
- Anaglyphenbild in Farbe
- Anaglyphenbild ohne Farbe, also monochrom
Für die zielführende Betrachtung der Anaglyphenbilder wird, wie bereits oben erwähnt, eine rot/cyan Anaglyphenbrille benötigt.

